Der beschworene Aufschwung der Atomenergie findet vor allem auf dem Papier und in den Schlagzeilen statt. Die Realität zeigt ein anderes Bild: Der Anteil der Atomkraft an der globalen Stromproduktion fiel auf 8.8 Prozent. In den letzten dreissig Jahren hat sich ihr Anteil halbiert. 

Erneuerbare boomen weltweit und überflügeln Atomkraft bei weitem

Bei den Erneuerbaren ist das Bild umgekehrt. Der Bericht zeigt einen beispiellosen Aufschwung der erneuerbaren Energien und Batteriespeicher, der sich im Jahr 2025 eindrücklich fortsetzte. 2025 wuchsen die Solarkapazitäten weltweit um 510 GW (+27 Prozent) und die Windkapazitäten um 159 GW (+14 Prozent). Alle Erneuerbaren ohne Wasserkraft zusammen legten um 861 TWh (+15.9 Prozent) zu. Damit deckten sie erstmals das gesamte Wachstum der weltweiten Stromproduktion (855 TWh) allein ab. 

Atomenergie stagniert und zeigt chronische Verspätungen

Die Atomkraft hingegen wächst nicht. 2025 gingen weltweit 4 Reaktoren neu ans Netz, während 7 stillgelegt wurden.
Der Blick auf die Statistiken der letzten zwanzig Jahre zeigt eine vernichtende Bilanz: 104 Atomkraftwerke wurden in Betrieb genommen, 106 stillgelegt. Von diesen Inbetriebnahmen geschahen rund die Hälfte in China, dem einzigen Land, in dem die Atomkraft noch wächst.

Die Atomkraft stagniert nicht bloss, sie ist auch chronisch verspätet: Keiner der 16 Reaktoren, die in den letzten drei Jahren ans Netz gingen, wurde pünktlich fertig. Von den 13 Reaktoren, die 2025 in Betrieb genommen werden sollten, haben es gerademal vier geschafft.

Ein Geschäft für Atommächte China und Russland

Von den 73 Reaktoren im Bau stehen 37 in China. 29 werden vom russischen Staatskonzern Rosatom gebaut, der weiterhin ein Schlüsselakteur der weltweiten Uran-Brennstoff-Lieferketten bleibt. Die 52 Baustarts der Jahre 2020–2025 gehen bis auf einen alle auf chinesische oder russische staatlich kontrollierte Firmen zurück. 95 Prozent aller laufenden Bauprojekte werden von Atomwaffenstaaten oder von deren Firmen im Ausland umgesetzt. In den USA ist kein einziger Reaktor im Bau.

Atomkraft hat keine Zukunft in der Schweiz

Für das Bündnis «Nein zu neuen AKW» bestätigt der WNISR 2026, dass neue AKW keine Zukunft in der Schweiz haben: sie brauchen Jahrzehnte bis zur Inbetriebnahme, verzögern sich regelmässig und kosten exorbitant viel, während sich die günstigen Erneuerbaren rasant entwickeln. Der Bericht zeigt: Bauen wir neue AKW, setzt die Schweiz auf eine Technologie aus dem letzten Jahrhundert, die international an Boden verliert.

Die Bevölkerung hat sich schon mehrfach für den Weg der Erneuerbaren ausgesprochen. Mit über 125'000 gesammelten Unterschriften für das Referendum gegen das Atomgesetz hat sie nun erneut ein deutliches Signal gegen neue AKW gesetzt. Der heute publizierte Bericht zur industriellen Realität untermauert diese Haltung klar: Wer die Energieversorgung sichern will, baut Erneuerbare aus, statt neue Atomkraftwerke zu planen.

Hintergrund

Der jährlich erscheinende World Nuclear Industry Status Report (WNISR) ist das internationale Referenzwerk für eine faktenbasierte Analyse der globalen Nuklearindustrie. Der WNISR wird von einem unabhängigen Autoren- und Forschungsteam erarbeitet und im Gegensatz zu den Reports der IAEA oder der Atomindustrie hat er keine direkten Interessen an der Verbreitung der Atomenergie.
Die Schweizerische Energie-Stiftung SES unterstützt die Erscheinung des Berichts jährlich mit einem kleinen Betrag, hat aber keinerlei Einfluss auf die Inhalte. 

World Nuclear Industry Status Report 2026: https://www.worldnuclearreport.org/World-Nuclear-Industry-Status-Report-2026